„Mycrofts Comeback: Ein Sherlock-Holmes-Krimi“
Rezension
Rezension, Beate Baum, Mycrofts Comeback
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„Mycrofts Comeback: Ein Sherlock-Holmes-Krimi“

„Mycrofts Comeback: Ein Sherlock-Holmes-Krimi“

Rezension
„Mycrofts Comeback: Ein Sherlock-Holmes-Krimi“ von Beate Baum
Oktober-Verlag, 2021, ISBN: 978-3946938576

Worum geht es?

Ein Tipp eines Informanten bringt Sherlock und John an den Schauplatz eines Verbrechens. Sylvia Clark, eine hübsche junge Frau Anfang 30, wurde tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Zunächst sieht alles nach einem Raubmord aus, doch je tiefer sie in ihre Ermittlungen eintauchen, wird klar, dass es hierbei um mehr geht als nur um einen plumpen Versuch, die Dame des Hauses auszurauben. Die Spuren führen zu einer Organisation, die Menschen illegal nach Großbritannien schleusen, und es hat den Anschein, als ob ein hohes Tier aus der Regierung seine schützende Hand über die menschenverachtenden Machenschaften dieser Organisation hält. Doch wer? Und warum musste Sylvia Clark ihr Leben lassen? Hat dies vielleicht mit ihrem Arbeitgeber zu tun, der sich in der Corona-Pandemie auf umstrittene Weise bereichert hat? Fest entschlossen, diesen Machenschaften ein Ende zu bereiten, ermittelt Sherlock in eigener Sache – dies mit der Hilfe seines unerbittlichen Freundes John und seines Bruders Mycroft, dem „hyperintelligenten Schattenmann in Westminster“, der dies als Chance sieht, sich nach einem herben Rückschlag wieder zurück an die Macht zu kämpfen.

Meine Kritik
Die Idee, Sherlock Holmes in die Neuzeit zu versetzen, ist ja nicht neu, denkt man bloß an den Film „Eine Pfeife in Amerika“ von 1987 oder „Die Rückkehr von Sherlock Holmes“ von 1993 – ganz zu schweigen von der CBS-Serie „Elementary“ und BBCs „Sherlock“. In literarischer Form ist dieser „Zeitsprung“ weniger häufig anzutreffen, obwohl Beate Baum mit ihren Büchern beweist, dass es durchaus machbar ist. Der Roman „Mycrofts Comeback: Ein Sherlock-Holmes-Krimi“ ist der dritte Band der Sherlock-Holmes-Reihe aus der Feder der Autorin Beate Baum. Die Geschichte spielt in einem top-aktuellen Setting – dem durch die Brexit- und Corona-Krise gebeutelten London, das man sich durch Beate Baums detaillierte Beschreibungen sehr gut vor Augen führen kann. Neben der eigentlichen Kriminalgeschichte um den Tod von Sylvia Clark werden daher auch kritische Themen hinsichtlich der politischen Lage in Großbritannien, Korruption in der Regierung und die miserable Situation, in der sich das britische Gesundheitssystem befindet, auf eindringliche, aber dennoch sensible und unterhaltsame Weise in die Geschichte verflochten.


Beim Fall rund um den Tod von Sylvia Clark handelt es sich um eine intelligente Kriminalgeschichte ganz eines Sherlock Holmes‘ würdig, der gleichzeitig die (teils selbstverschuldeten) Probleme, mit denen Großbritannien zu kämpfen hat, thematisiert. Vielleicht fällt es dem einen oder anderen Leser schwer, auch beim Lesen eines Romans mit dem Thema Corona konfrontiert zu sein, aber mich persönlich hat es nicht gestört. Die Corona-Krise ist neben dem Brexit die treibende Kraft, welche die Ereignisse rund um Sylvia Clarks Tod erst ins Rollen bringt und somit ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte.


Fans der Serie „Sherlock“ werden in dieser Buchreihe eine würdige Fortsetzung und Ergänzung der BBC-Fassung sehen. Der Roman ist sehr flüssig geschrieben. Er liest sich leicht, ist aber dennoch keine „leichte“ Lektüre, wenn man die Thematik betrachtet. Für ein Schmunzeln sorgen immer wieder die Momente, in denen Sherlock und sein mächtiger Bruder Mycroft aufeinandertreffen. Ihre brüderliche Rivalität und die Sticheleien (mehrheitlich von Sherlock ausgehend) bringen Witz in die Geschichte und ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers. Der Schluss des Buches beweist zudem, dass nicht nur Sherlock einen Hang zur Dramatik hat – auch Mycroft ist einem guten Auftritt durchaus nicht abgeneigt.


Doch ist er auch was für eingefleischte Sherlockianer? Ich würde sagen, ja. Enthält der Roman doch zahlreiche schöne Anspielungen auf den Kanon wie kleine unterhaltsame „Goodies“, die zeigen, dass sich Frau Baum auch mit den Originalgeschichten intensiv befasst hat. Auch begegnen uns im Buch kanonische Figuren, wie zum Beispiel Shinwell Johnson und Kitty Winter (ILLU). Inspektor Lestrade und Mary Morstan, die im Buch mit John verlobt ist, fehlen natürlich ebenfalls nicht.


Über die Autorin:

Beate Baum

Beate Baum, geboren 1963 im Ruhrgebiet, studierte allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik und Politologie an der Ruhr-Universität Bochum. Nach einem Volontariat bei der Thüringer Regionalzeitung „Freies Wort“ arbeitete sie als freie Journalistin im Ruhrgebiet und in Liverpool. Seit 1998 ist sie freie Autorin (Krimi, Kultur- und Reiseartikel) mit Wohnsitz in Dresden.
Webseite: http://www.beatebaum.de/


Ebenfalls erschienen:
• Baum, B.: Mycrofts Auftrag: Ein Sherlock-Holmes-Krimi, 2017
• Baum, B.: Tödlicher Stoff: Ein Sherlock-Holmes-Krimi, 2018