Mit Magie und Spürsinn im Palast des Schah-in-Schah
Die Deutsche Sherlock-Holmes-Gesellschaft für Fans des Detektivs aus der Baker Street und des viktorianischen Zeitalters!
Sherlock Holmes, Dr. Watson, Deutschland, Gesellschaft, Sherlockianer, Holmesianer, Magazin, Zeitung, Fanclub, Shop, SherloCON, Veranstaltung, Convention, Baker Street, 221b, London
41981
post-template-default,single,single-post,postid-41981,single-format-standard,theme-cabin,cabin-core-1.0.2,woocommerce-no-js,select-child-theme-ver-1.0.0,select-theme-ver-3.3,ajax_fade,page_not_loaded,,vertical_menu_enabled, vertical_menu_width_290,smooth_scroll,side_menu_slide_from_right,wpb-js-composer js-comp-ver-6.4.1,vc_responsive
 

Mit Magie und Spürsinn im Palast des Schah-in-Schah

Mit Magie und Spürsinn im Palast des Schah-in-Schah

„Das Geheimnis des Lamassu“ von Jaqueline Montemurri

rezensiert von Tobias Weskamp

Karl Mays Helden Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar am Hadrianswall im nördlichen England: So beginnt „Das Geheimnis des Lamassu“, der mittlerweile neunte Band der Reihe „Karl Mays Magischer Orient“. Autorin Jaqueline Montemurri ist nach Band 7 „Der Herrscher der Tiefe“ erneut ein bunter und abwechslungsreicher Roman gelungen, der sowohl für Karl-May- als auch für Sherlock-Holmes-Fans einiges zu bieten hat, auch wenn sich der Karl-May-Leser nicht immer wiederfindet.

Als der Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi und sein treuer Freund Hadschi Halef Omar dem schottischen Hochland einen Besuch abstatten und dabei nach Lindsay Castle kommen, erfahren sie eine traurige Neuigkeit: Sir David Lindsays Vater wurde unter mysteriösen Umständen ermordet. Während der Trauerfeierlichkeiten auf dem Schloss lernen Kara und Halef einen Freund der Familie kennen: Sir Joseph Bell, der von seinem Assistenten, einem jungen Mediziner namens Arthur Conan Doyle, begleitet wird. In einer Nacht wird Sir Davids Ziehschwester Anahita entführt. Kara, Halef, Doyle uns Lindsay finden sie eine Spur, die nach Persien führt. Dort tauchen sie tief in Lindsays Vergangenheit ein und begegnen in der Wüste phantastischen Geschöpfen, schattenhaften Kriegern und mächtigen Feinden. Die Spur führt sie schließlich in den prunkvollen Palast des Schahs von Persien…

Wie Sherlock-Holmes- und Doyle-Kenner bemerken werden: Sowohl Doyle als auch Dr. Joseph Bell werden in ihren Persönlichkeiten passend dargestellt. Und die Handlung wird auch gut in die reale Vita eingepasst. Doyle lernte Bell 1877 kennen. Ein Jahr später wurde er am Royal Infirmary of Edinburgh sein Assistent. Doyle war begeistert von Bells Kombinationsgabe – dieser legte Wert auf genaue Beobachtungen für seine Diagnose und konnte bei ihm Fremden deren Arbeit und kürzliche Aktivitäten ableiten – und entwarf den Charakter des Sherlock Holmes lose nach diesem Vorbild. Für seinen Dr. Watson griff er auf einen weiteren Lehrer (und Kollegen Bells) zurück, den Chirurgen Patrick Heron Watson. Auch Doyles Zeit als Schiffsarzt auf einem Walfänger wird aufgegriffen. Besonders interessant für Sherlockianer: Doyle erhält im Laufe der Handlung immer wieder Anregungen für seinen zukünftigen detektivischen Helden. So führen er und Bell mit Karas Unterstützung Deduktionen am Tatort der Ermordung durch, die auch zu Sherlock Holmes passen würden. Dabei zeigen die beiden Mediziner eine ähnliche Akribie wie später der literarische Doyle’sche Meisterdetektiv. Im Epilog erhält man sogar einen Einblick darin, dass Doyle wie sicher nicht alle Sherlock-Holmes-Fans wissen – selber auch geboxt hat.

Auch in Verkleidung präsentiert sich Doyle später – so überzeugend, dass er sogar als (verschleierte) orientalische Frau durchgeht. Auch bei einer Beweisführung vor einem persischen Gericht zeigt er seine deduktiven Fähigkeiten, unter anderem mit dem Anführen von Fingerabdrücken als Beweismittel. Dies hat er sich möglicherweise von Bell abgeschaut. Dieser hatte wesentlichen Anteil daran, dass nicht mehr nur auf Aussagen von Zeugen wichtig waren, sondern auch kriminaltechnologisch gewonnene Beweise als Beweismittel zugelassen wurden. Auch Doyle selbst hat im realen Leben Gebrauch von diesen Möglichkeiten gemacht. Bei den Ermittlungen und Gerichtsverfahren um George Erdalji und Oscar Slater hat er zahleiche Indizien zusammengetragen, wodurch er in beiden Fällen zu deren Freilassung beitrug. der Sturz von Holmes und Moriarty die Reichenbachfälle hinab wird vorweggenommen und als Anregung für den Tod seines späteren fiktiven Meisterdetektivs präsentiert.

Das Land Persien ist gut getroffen. Es wirkt bunt und exotisch, aber nicht klischeehaft. Die Autorin scheint sich ausführlich mit dem damaligen Persien (dem heutigen Iran) und dem Leben des Schah-In-Schah, Naser ad-Din Schah, auseinandergesetzt zu haben. Es spielen einige historische Figuren eine Rolle (z.B. Queen Victoria), sogar der Name der Katze ist korrekt. Auch schwingt hin und wieder Kritik am damaligen Verhalten der europäischen Kolonialmächte mit, auch in den Unterhaltungen mit Sir David, der sich hier sehr facettenreich präsentieren darf und nicht mehr ganz so kauzig (und manchmal auch unbeholfen) wirkt wie bei May selbst. Magie ist – wie schon der Titel der Reihe verrät – in dem Roman allgegenwärtig. Diese wird dabei glaubwürdig und passend in die Handlung integriert. 

Auch eine beliebte Figur bleibt nicht vom Tode verschont. Das wird manch einen der treuen Leser der Reihe sicherlich das ein oder andere Tränchen vergießen lassen, zeigt aber auch, dass die Gefahren, in die sich die Helden begeben, nicht bloße Spielereien sind. Und auch May ließ beliebte Figuren hin und wieder sterben; man denke nur an Old Death oder Rih – ganz zu schweigen von Winnetou.

Kara Ben Nemsi agiert für den Karl-May-Kenner teilweise etwas ungewohnt. Ist selten derjenige, der das Ruder in der Hand hält. Meist reagiert er nur und ist oft eher überfordert. Kontrast zum (zugegebenermaßen manchmal etwas nervig) besserwisserischem Kara Ben Nemsi des Karl-May-Kanons, der fast immer souverän und der (un-)ausgesprochene Anführer seiner Reisegruppe ist. Als „Reiseleiter“ bestimmt er immer das Geschehen, während er bei Montemurri meist eher nur beratend eingreift und vieles nicht richtig beurteilen kann. Das ist zwar ungewöhnlich, aber auch durchaus nicht unlogisch, da er sich ja in magischen Dingen nun mal nicht so gut auskennt. Außerdem schmälert es nicht das Lesevergnügen.

Der Epilog von Nina Blazon gibt einem Teil der Handlung nochmal einen ganz anderen Dreh. Vermutlich ist dieser von der Hauptautorin nicht so gedacht gewesen, fügt sich aber in die Gesamthandlung ein. Alles in allem ist das Buch sehr gelungen und sowohl für Karl-May- als auch für Sherlock-Holmes-Fans geeignet.

Jacqueline Montemurri: Das Geheimnis des Lamassu
480 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-7802-2509-2
20,- Euro

Hier gibt es das Buch beim Karl-May-Verlag: https://www.karl-may.de/Buecher/Magischer-Orient_Das-Geheimnis-des-Lamassu

Hier bei Amazon: https://amazon.de/Das-Geheimnis-Lamassu-Magischer-Orient/dp/3780225093/

Infos zur Autorin gibt es hier: https://jacquelinemontemurri.blogspot.com/

No Comments

Post a Comment