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Sherlock Holmes als Serienwelt:
Ein Theaterprojekt mit Sogwirkung!
ein Bericht von Gordon L. Schmitz
The Mad and Merry Men sind eine englischsprachige, unabhängige Theatergruppe mit Sitz in Prag, die vor allem für literarische Adaptionen, Mystery‑ und Thrillerstoffe sowie phantastisches Theater bekannt ist und sich nun intensiv dem Sherlock-Holmes-Kanon widmet.
Wie Sherlock Holmes Prag erobert
Aus einer frühen Idee, die bereits 2011 in Köln erste Gestalt annahm, ist über Jahre hinweg ein außergewöhnliches Theaterprojekt gewachsen, das im September des vergangenen Jahres schließlich seine Premiere feierte. Was damals mit einer szenischen Lesung und einem kurzen Stück begann, hat sich zu einer ambitionierten, seriellen Bühnenproduktion entwickelt, die sich den Geschichten rund um Sherlock Holmes widmet – und von den Beteiligten selbst als „Projekt eines Lebens“ beschrieben wird.
Im Zentrum steht dabei nicht nur die Inszenierung einzelner Fälle, sondern eine fortlaufende, sich verdichtende Erzählung. Produktionen wie „The Copper Beeches“ oder „The Bruce-Partington Plans“ zeigen bereits die stilistische Bandbreite des Projekts: von humorvoller Gesellschaftskomödie bis hin zum spannungsgeladenen Spionagethriller, ergänzt durch filmische Elemente, die live auf der Bühne integriert werden. Jeder Abend erhält so seinen eigenen Ton, bleibt aber Teil eines größeren erzählerischen Bogens.
Für die Darsteller bedeutet dies eine seltene künstlerische Tiefe. Die Rolle des Sherlock Holmes entwickelt sich stetig weiter – vertraut und zugleich überraschend. Parallel dazu entsteht mit Dr. Watson eine bewusste Gegenfigur: emotional, zweifelnd und verletzlich, im Kontrast zur kühlen Präzision Holmes’. Aus dieser Spannung erwächst eine dynamische Beziehung, die sich im Verlauf der Serie zunehmend verdunkelt und auf ein unausweichliches Finale zusteuert.
Auch hinter den Kulissen folgt die Arbeit einem ungewöhnlichen Rhythmus. In einem writers’ room entwickeln die kreativen Köpfe gemeinsam die übergeordnete Handlung, während einzelne Episoden parallel geschrieben, inszeniert und geprobt werden. Dieser schnelle, fast serielle Produktionsprozess verleiht dem Projekt eine besondere Energie – und fordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität und Vertrauen in die gemeinsame Vision.
Inhaltlich geht die Reihe dabei über klassische Detektivgeschichten hinaus. Sie hinterfragt die moralische Integrität ihrer Figuren und verschiebt die Perspektive: Nicht nur Holmes’ Schlussfolgerungen stehen im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wer die Geschichte erzählt – und was dabei bewusst verschwiegen wird. Besonders Nebenfiguren erhalten Raum und Tiefe, wodurch ein vielschichtiges Bild einer Welt entsteht, die zunehmend von Dunkelheit und Ambivalenz geprägt ist: So sind die meisten Geschichten durch wiederkehrende Nebenfiguren - Handlanger Professor Moriartys - verbunden, und Stammzuschauer können so über 10 Stücke scheinbar unwichtige Details zu einem größeren ganzen zusammenfügen. Auch Mycroft Holmes meldet sich regelmäßig zu Wort: Er schickt Sherlock regelmäßig Wachs-Walzen, falls sich die Interessen der Holmes-Brüder überschneiden sollten.
Ergänzt wird dieses Universum durch kreative Erweiterungen wie die „Midnight Gazette“, eine fiktive Zeitung, die zugleich als Programmheft dient. Sie verbindet die Bühnenhandlung mit historischen und aktuellen Bezügen, lädt das Publikum zum Miträtseln ein und vertieft die Immersion. Auch visuell wird der Anspruch deutlich: Plakate im Stil des 19. Jahrhunderts schaffen eine einheitliche, düstere Ästhetik, die alle Teile der Serie miteinander verbindet.
So entsteht ein Gesamtkunstwerk, das Theater, Literatur und Design vereint – und sein Publikum nicht nur unterhält, sondern in eine fortlaufende, lebendige Welt hineinzieht.
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Künstlerischer Leiter und Produzent ist Gordon L. Schmitz, ein deutscher Theatermacher mit Sitz in Prag. Er gründete das Ensemble und prägt dessen Ausrichtung auf international verständliches, erzählerisch starkes Theater
Szenen aus dem Theater





