
Kurzgeschichten gesucht!
08/04/2026Wir nehmen Abschied von David Burke
Im Mai 2026 ist David Burke im Alter von 91 Jahren verstorben.
Ein Nachruf von Silvia Glücklich

Jeremy Brett & David Burke 1984 (Foto © Paul Massey)

David Burke 1965
Mit David Burke ist im Mai 2026 (das genaue Datum ist nicht bekannt) im Alter von 91 Jahren ein Schauspieler von uns gegangen, der vielen Menschen, insbesondere der sherlockianischen Community, über Jahrzehnte hinweg ans Herz gewachsen ist. Geboren am 25. Mai 1934 in Liverpool, gehörte er zu jener Generation britischer Schauspieler, deren Kunst auf einer tiefen Liebe zum Theater und zu großen literarischen Stoffen beruhte.
Für viele wird sein Name untrennbar mit einer Rolle verbunden bleiben: Dr. John Watson in der legendären Granada-Verfilmung von Sherlock Holmes an der Seite von Jeremy Brett. In den Jahren 1984 und 1985 verkörperte Burke diese Figur in 13 Episoden – und schenkte ihr dabei eine Tiefe, die bis heute nachwirkt.
Gerade weil Watson zuvor oft als tölpelhafter Begleiter dargestellt worden war, fühlte sich Burkes Interpretation so kanongetreu. Sein Watson war klug, mutig und loyal – ein Freund auf Augenhöhe, wie ihn Arthur Conan Doyle geschrieben hatte. Er war kein Stichwortgeber für Holmes, sondern ein Mensch mit eigener Würde, eigenem Verstand und großem Herzen. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer wurde genau dieses Bild zum bleibenden Maßstab.
Was Burkes Spiel so besonders machte, war seine leise Art. Ohne große Gesten, ohne Effekthascherei ließ er einen Watson entstehen, der dachte, fühlte und handelte. Kaum ein anderer Schauspieler verstand es, Holmes’ Boswell besser zu verkörpern.
Doch David Burke war weit mehr als „nur“ Dr. Watson. Als klassisch ausgebildeter Schauspieler, geprägt von seiner Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art, war er über Jahrzehnte hinweg auf der Bühne ebenso zuhause wie vor der Kamera. Er spielte bei der Royal Shakespeare Company, verkörperte große Theaterfiguren und beeindruckte unter anderem als Niels Bohr in Michael Frayns Copenhagen. Auch im Fernsehen zeigte er seine Vielseitigkeit, etwa in der Rolle des Josef Stalin in Reilly, Ace of Spies.
Dass er die Rolle des Dr. Watson nach der ersten Staffel verließ, war keine Abkehr, sondern eine bewusste Entscheidung: für das Theater, für neue künstlerische Wege – und für seine Familie. Es war eine Entscheidung, die viel über ihn aussagt. Seit 1971 war er mit der Schauspielerin Anna Calder-Marshall verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn Tom trat später selbst erfolgreich in die Fußstapfen seiner Eltern. Sein Sohn ist zurzeit in der Netflix-Serie Legends zu sehen.
David Burkes Vermächtnis lebt in seinen Rollen weiter. Vor allem aber in jenem Dr. Watson, den er uns geschenkt hat: aufmerksam, klug, loyal – und zutiefst menschlich.

