
Nachbericht zum Dortmunder Stammtisch
06/08/2026Mord, Magie und Mitgefühl
Dr. Watson zu Gast in der Sommerkirche
von Stephan Wailersbacher

Vier Gottesdienste in vier verschiedenen Orten, ein ungewöhnlicher Gast und eine ganz besondere Verbindung zwischen Sherlock Holmes und christlichen Glaubensthemen: Unter dem Motto „Mord, Magie und Mitgefühl“ standen die diesjährigen Sommerkirchengottesdienste einer evangelischen Kirchengemeinde u.a. ganz im Zeichen des berühmten Londoner Meisterdetektivs.
Mit dabei war auch Stephan Wailersbacher, in seiner Rolle als Dr. John H. Watson, dem Freund und Chronisten von Sherlock Holmes.
Die Idee dazu entstand vor einiger Zeit, als der befreundete Pfarrer Bremges auf ihn zukam und fragte, ob er sich vorstellen könne, gemeinsam mit ihm Gottesdienste zu gestalten. Nach kurzem Überlegen war die Antwort schnell gefunden: Die Idee war einfach zu ungewöhnlich und interessant, um sie abzulehnen.
Bei einem gemeinsamen Vorbereitungstreffen wurde dann überlegt, wie Dr. Watson in den Gottesdienst eingebunden werden könnte. Schließlich entstand die Idee eines Interviews, bei dem Pfarrer Bremges und Dr. Watson miteinander ins Gespräch kommen sollten.
Eine Reise nach London um 1900
Zu Beginn des Gottesdienstes sprach Pfarrer Bremges zunächst über die Beziehung Jesu zu seinen Jüngern. Dabei stand ein wichtiger Gedanke im Mittelpunkt: Jesus sah seine Jünger nicht nur als Diener, sondern als Freunde.
Im weiteren Verlauf nahm der Gottesdienst dann eine überraschende Wendung.
Auf dem Altar stand ein Wegweiser mit verschiedenen Londoner Straßennamen. Pfarrer Bremges betrachtete ihn und fragte sich, wo er wohl gelandet sei. Dazu erklang musikalisch das bekannte Hauptthema aus dem Film „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“.
Nun hatte Dr. Watson seinen großen Auftritt.
Er erklärte dem etwas ratlosen Pfarrer, dass dieser sich offenbar in London um das Jahr 1900 befinde. Anschließend stellte er sich als Dr. Watson vor.
Allerdings hatte Watson zunächst einen Verdacht: Vielleicht war der vermeintliche Pfarrer in Wirklichkeit sein alter Freund Sherlock Holmes, der sich wieder einmal verkleidet hatte! Gemeinsam mit der Gemeinde konnte Pfarrer Bremges diesen Verdacht jedoch schnell ausräumen, er war tatsächlich der Pfarrer und nicht der berühmte Meisterdetektiv.
Was macht Freundschaft aus?
Im anschließenden Gespräch erzählte Dr. Watson davon, wie er Sherlock Holmes kennengelernt hatte und wie aus ihrer Bekanntschaft eine enge Freundschaft geworden war.
Dabei ging es um weit mehr als um die spektakulären Kriminalfälle, die beide gemeinsam erlebt hatten. Denn was macht eine Freundschaft eigentlich aus?
Freundschaft bedeutet Vertrauen, füreinander da zu sein und gemeinsam durch gute und schwierige Zeiten zu gehen. Gerade die Beziehung zwischen Holmes und Watson zeigt, dass Freundschaft manchmal zwischen Menschen entstehen kann, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten.
Damit wurde der Bogen zu dem Gedanken geschlagen, mit dem Pfarrer Bremges den Gottesdienst begonnen hatte: Jesus und seine Jünger als Freunde.
Gut gegen Böse
Natürlich durfte auch der klassische Kampf zwischen Gut und Böse in einem Sherlock-Holmes-Gottesdienst nicht fehlen.
Dr. Watson berichtete von Professor Moriarty, dem großen Gegenspieler von Sherlock Holmes. Moriarty war Holmes ebenbürtig und stellte für ihn die vielleicht größte Herausforderung seines Lebens dar.
Auch die berühmte Geschichte vom Reichenbachfall bei Meiringen in der Schweiz durfte dabei nicht fehlen. Arthur Conan Doyle hatte Sherlock Holmes dort im Kampf mit Moriarty scheinbar in den Tod stürzen lassen.
Die Leser waren entsetzt. Viele trauerten um ihren Helden, und der Unmut über Doyles Entscheidung war so groß, dass zahlreiche Leser sogar ihre Abonnements des „Strand Magazine“ kündigten.
Schließlich gab Doyle dem Druck nach und ließ Sherlock Holmes wieder auferstehen.
Seitdem ist Sherlock Holmes mehr als eine Romanfigur – er ist zu einer geradezu unsterblichen Gestalt der Literatur geworden.
Von Sherlock Holmes zur Bibel
Dieser Gedanke führte schließlich wieder zurück zum eigentlichen Thema des Gottesdienstes.
Pfarrer Bremges nahm die Geschichte von Sherlock Holmes zum Anlass, über den Gedanken der Unsterblichkeit in der Bibel zu sprechen. Aus einer Geschichte über einen fiktiven Detektiv und seinen Gegenspieler entwickelte sich so ein Gespräch über eine der großen Fragen des christlichen Glaubens: Was bedeutet es, über den Tod hinaus zu leben?
Gerade diese Verbindung machte den Gottesdienst so besonders. Sherlock Holmes war nicht einfach nur Unterhaltung oder eine ungewöhnliche Kulisse. Seine Geschichte wurde zum Ausgangspunkt für Gedanken über Freundschaft, Gut und Böse, Leben, Tod und Hoffnung.
Gemeinsam vor die Gemeinde
Am Ende des Gesprächs standen Pfarrer Bremges und Dr. Watson gemeinsam vor der Gemeinde und sprachen eine Fürbitte.
Damit schloss sich der Kreis: Aus dem ungewöhnlichen Treffen zweier Menschen, beziehungsweise eines Pfarrers und eines viktorianischen Arztes, war ein gemeinsamer Gottesdienst geworden.
Der Abschluss in Ottweiler
Beim abschließenden Gottesdienst in Ottweiler wurde das Thema Sherlock Holmes sogar schon beim Orgelspiel aufgegriffen. In die musikalische Gestaltung wurde das bekannte SHERLOCK-Thema eingebaut.
Nach dem Gottesdienst waren die Besucherinnen und Besucher noch zu einem gemeinsamen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen eingeladen.
Natürlich durfte auch hier der englische Bezug nicht fehlen. Die Kuchen waren nach englischer Art gebacken und der Tisch passend zum Thema kriminalistisch dekoriert. So konnte man bei Kaffee und Kuchen noch über den ungewöhnlichen Gottesdienst, Sherlock Holmes und die angesprochenen Themen miteinander ins Gespräch kommen.
Ein gelungenes Experiment
Die vier Gottesdienste in den verschiedenen Orten wurden von den Gemeindemitgliedern sehr positiv aufgenommen. Die Reaktionen waren durchweg erfreulich, und viele Besucherinnen und Besucher ließen sich gerne auf diese ungewöhnliche Verbindung von Kirche, Literatur, Musik und Kriminalgeschichte ein.
Für Dr. Watson alias Stephan Wailersbacher waren die vier Gottesdienste eine besondere Erfahrung. Was zunächst mit der Frage eines befreundeten Pfarrers begann, entwickelte sich zu einer kleinen Reise durch die Welt von Sherlock Holmes und gleichzeitig zu einer Reise zu ganz grundlegenden Fragen unseres Lebens.
„Mord, Magie und Mitgefühl“ hat gezeigt, dass ein Gottesdienst manchmal auch dort beginnen kann, wo man ihn zunächst nicht erwartet: mitten in London, um das Jahr 1900, bei einem Wegweiser, einem viktorianischen Doktor und einem gewissen Sherlock Holmes.
Und vielleicht liegt gerade darin eine schöne Erkenntnis: Manchmal braucht es einen ungewöhnlichen Weg, um über die ganz wichtigen Dinge des Lebens ins Gespräch zu kommen – über Freundschaft, Vertrauen, Hoffnung und Mitgefühl.
Weitere Gottesdienste in der Sommerkirche standen unter anderem unter den Themen Harry Potter, Walter White (Breaking Bad), Kommissar Matthai (das Versprechen) und Elphaba Thropp (Wicked).
Lichtbildliche Impressionen






